Meinungen, Aussagen

Ein Bericht vom Obmann Oswald Oman

Das Gailtal in den Jahren  1918 bis 1920

 

Kärnten und das Gailtal liegen an der Schnittstelle dreier Völker und Kulturen. Dieser Umstand hat das Tal auch besonders geprägt. Auch war dieses Gebiet im ersten Weltkrieg besonders stark in Mitleidenschaft gezogen.

Die angestammte Grundbevölkerung der deutschen und windischen Kärntner (Karantanen), hat ihre Flurnamen, Hausnamen, Berge und Täler  in der windischen Bezeichnung schon seit tausend Jahren verwendet.

Die Bevölkerung im unteren Gailtal, auf der Südseite des Tales von Maria Gail, Fürnitz bis Förolach und auf der Schattseite Vorderberg, Egg bis Micheldorf sprach neben den deutschen Dialekten auch den slawischen Dialekt, das Windisch. Die neuslowenische Sprache war nur wenigen Priestern oder intellektuellen Personen, die sehr oft in Laibach studiert haben und dorthin Verbindungen pflegten, geläufig.

Vorderberg war noch Mitte des 19. Jahrhunderts eine rein slowenischsprachige Gemeinde. Insbesondere jene Männer, die ihren Lebenserwerb auswärts suchen mussten oder sich im Fuhrwerkswesen und bäuerlichen Handel betätigten, besaßen allerdings vielfach Kenntnis der deutschen und im geringeren Maß auch der italienischen Sprache. Im unteren Gailtal war es üblich, Knaben und Mädchen zur Erlernung der deutschen Sprache in deutschsprachige Gegenden zu schicken. Einen nachhaltigen Eindruck von der Sprachgewandtheit der hier ansässigen Bevölkerung hinterließ Ende des  18. Jahrhunderts bei Julius Heinrich Gottlieb Schlegel die Begegnung mit einem Wallfahrer, den er bei seiner Wanderung über das Gebirge vom Kanal- ins Gailtal traf: „  ……… gesellte er sich wieder zu uns. Auch er war ein Wende, sprach aber deutsch ebenso fertig und schnell, wie seine Muttersprache, und zeigte viel Verstand. Ich unterhielt mich mit ihm unter anderem über die verschiedenen Zweige und Verwandtschaften seiner Volkssprache und fand , dass er mir aus Erfahrung die nahe Verwandtschaft seiner Sprache mit dem Krainerischen,  Böhmischen, Polnischen u. s. f. bestätigen konnte. Aus CARINTHIA I   2019

 

Obwohl sich die Windischen selber oft „Slowenen“ nennen, hatten sie sich in der Mehrheit nie als Slowenen gefühlt. Die Abneigung gegen den Balkan und gegen das slowenische Krain ist für die Windischen von jeher genauso charakteristisch gewesen, wie ihre Treue zu Kärnten und Österreich.

Als im Jahre 1918 die slowenischen Reichstagsabgeordneten eine Teilung Kärntens verfolgten, war eine Abordnung aus den gemischtsprachigen Gebieten Kärntens am 25. Mai 1918  bei seiner Majestät dem Kaiser in Baden, um gegen die Bestrebung auf Zerreißung der Landeseinheit von Kärnten Vorstellung zu erheben. Bei dieser Abordnung waren auch zwei Gailtaler Bürgermeister, nämlich Simon Michor, Bgmst. Gemeinde Emmersdorf (heute Nötsch) und Ludwig Pipp, Bürgermeister Gemeinde Egg (heute Hermagor) dabei.

 

Das Siedlungsgebiet der slowenischen Volksgruppe: Im unteren Gailtal, das noch um die Jahrhundertwende eines der drei slowenischsprachigen Kerngebiete war, ist heute die Anzahl der slowenischsprachigen Bevölkerung äußerst gering. Zwischen Hermagor und Feistritz im Gailtal ist eine slowenischsprachige Bevölkerung nur noch punktweise anzutreffen. Erst weiter talwärts gibt es in Feistritz, Achomitz und Göriach nennenswerte Zahlen zweisprachiger Bevölkerung. Entlang des wichtigen Verkehrsweges vom Grenzübergang Thörl-Maglern über Arnoldstein zum Verkehrsknotenpunkt Villach, ist die Bevölkerung der einzelnen Ortschaften wiederum fast rein deutschsprachig. Weiter südlich, entlang des Kleinen Feistritzbaches, finden sich dann in verkehrsungünstiger Lage wieder Ortschaften mit einer erheblichen Anzahl zweisprachiger Bevölkerung (St. Leonhardt bei Siebenbrünn, Korpitsch) ( aus: Zur Lage der Slowenen in Kärnten  von Ralf Unkart – Gerold Glantschnig- Alfred Ogris )

Die kursiv gesetzten Texte sind Zitate. Ich bin in diesem Gailtal geboren, aufgewachsen und lebe seit Jahrzehnten hier und meine Wahrnehmung ist eine andere, die auch von den meisten Bewohnern unseres Gebietes geteilt wird.

Im 20 Jhdt. wird immer von slowenischsprachiger Bevölkerung im Gailtal gesprochen und geschrieben; in Wahrheit gibt es seit Jahrhunderten eine gemischtsprachige Bevölkerung, die neben der deutschen Sprache auch einen slawischen Dialekt spricht, und dieser Dialekt ist seit jeher Windisch.

Es gibt genug Unterlagen aus dem 18. Und 19. Jahrhundert, die das belegen.

Im Jahr 1918 begannen die Jugoslawen Kärntner Gebiete zu besetzen und für einen slowenischen Staat einzunehmen.

Am 5. November 1918 rückte die SHS-Polizei ins Rosental und das Untere Gailtal vor. Im Gailtal wurden die Ortschaften Maria Gail, Arnoldstein und St. Stefan im Gailtal besetzt, und man versuchte das Gailtal von seinem Versorgungs- und Absatzmarkt Villach abzusperren.  

Am 1. Dez. 1918 wurde das Gendarmeriekommando Arnoldstein von 9 jugoslawischen Gendarmen besetzt und die deutsch-österreichische Gendarmerie erhielt den Befehl, sich nach Villach zurückzuziehen, nachdem als Demarkationslinie die Gailitz bis zur Mündung in die Gail, bestimmt wurde. An Kirchturm und Kaserne wurde die jugoslawische Fahne gehisst (aus Schulchronik Arnoldstein )

In Egg bei Hermagor versuchte der slowenische Reichstagsabgeordnete Dr. Franc Grafenauer mit seinen Verwandten eine slawische Verwaltung zu errichten. (Franc Grafenauer wurde wegen Hochverrats zu fünf Jahren Kerker verurteilt. Durch einen Amnestieerlass von 1917 musste er die Strafe nicht absitzen).  Durch die Verurteilung verlor er sein Reichstagsmandat.

Nach seiner Freilassung kehrte er ins Gailtal zurück, wo er 1919 mit Freiwilligen eine Defensivwehr aufstellte. Nachdem eine militärische Verstärkung der Jugoslawen nicht rechtzeitig zu Hilfe geeilt war, (sie wurde in St. Stefan im Gailtal abgefangen) und sich die slowenischen Abwehrtruppen dadurch gezwungen gesehen hatten, ihre strategisch wichtigen Standorte Hermagor, Villach und Klagenfurt aufzugeben, musste Grafenauer wie viele seiner Landsleute auf gesichertes slowenisches Territorium flüchten. Noch im selben Jahr schickte man Grafenauer als Abgeordneten der Kärntner Slowenen nach Belgrad, dem Regierungssitz des Königreichs SHS. Erst 1925/26 konnte er nach Kärnten zurückkehren. (Entnommen aus der Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte von Katja Sturm-Schnabl )

Die Gailtaler, vorwiegend windische und deutsche Bauern und Arbeiter, sind spontan zusammengestanden und haben die Jugoslawen vertrieben. Am 24. November 1918 wurden sie von Maria Gail vertrieben und auch im November haben Windische den Gendarmerieposten und die Gemeinde St. Stefan von den Slawen geräumt und die slowenische Fahne vom Kirchturm geholt, die mit Hilfe des nationalslowenischen Pfarrers und des gleichgesinnten Bürgermeisters gehisst wurde. Die beiden sind unter Androhung, sie einzusperren, geflüchtet und die slowenischen Besetzer wurden zum Zug eskortiert, verladen und in Richtung Süden zurückgeschickt.

Windische aus der Umgebung haben im November 1918 die slowenischen Besetzer im Gasthaus Schnabl-Hrepec in Achomitz (das einzige Dorf im Gailtal, das heute über zwanzig Prozent Slowenenanteil hat) festgenommen und mit einem Pferdefuhrwerk hinter Arnoldstein gebracht.

Nachdem die Jugoslawen im November aus dem Gailtal gejagt wurden, sind am 31. Dezember 1918 der Pfarrer von Arnoldstein…, Besitzer Kreschitz, Michael, die Häupter der slawischen Propaganda in Arnoldstein, nach Krain geflüchtet und es unterblieb der kirchliche Gottesdienst. Mit ihnen flüchtete auch der Pfarrer von Göriach, von Fürnitz und auch der Besitzer Schaubach aus Draschitz, obwohl seitens der Bevölkerung denselben nichts angedroht wurde und ihnen in Anbetracht der slawischen Besetzung nichts geschehen konnte. (aus Schulchronik Arnoldstein)

 

 

Am 5/6. Jänner Befreiung von Arnoldstein:

Nachdem die Schule und der Gendarmerieposten in Arnoldstein besetzt wurden und das Gailtal abgesperrt war, hat sich die Gailtaler Bevölkerung spontan zusammengetan und unter Führung des Hauptmannes Karl GRESSL den Abwehrkampf begonnen.

In der „Kärntner Heimat“ vom 3. Oktober 1940 schildert Gressl das kühne Unternehmen der Befreiung Arnoldsteins:

Bereits im Dezember 1918 fasste ich den Plan, die Jugoslawen aus dem Raume Arnoldstein und Fürnitz auf eigene Faust zu vertreiben. Ich teilte dies meinen braven Bauern im Gailtal in verschiedenen Versammlungen mit und wir beschlossen, uns auf ein bestimmtes Zeichen zu sammeln und loszuschlagen. Ein Extrazug fuhr um fünf Uhr nachmittags von Mauthen ab, nahm von Ortschaft zu Ortschaft die herbeiströmenden Bauern und Arbeiter auf, und um 11 Uhr nachts waren wir in Nötsch angriffsbereit. Hier wurde die Mannschaft (Hermagorer und Nötscher Volkswehr, Freiwillige von Mauthen bis Hohenthurn) in drei Gruppen geteilt; jede Gruppe erhielt ihren besonderen Auftrag. Durch ein auftauchendes Gerücht, die jugoslawische Besatzung von Arnoldstein sollte durch zwei Kompanien verstärkt worden sein, wurde der Angriff etwas verschoben; es stellte sich heraus, dass dies nicht der Fall war und dann konnte der Angriff losbrechen. Die Truppen bekamen das Signal zum Vorgehen. Alles klappte. Um Punkt 6:15 Uhr früh wurde die feindliche Bahnwache überrumpelt und die überwältigte südslawische Wache gefangengesetzt.

Ein zweiter Trupp der Angreifer unter dem tapferen Philipp Millonigg aus Hohenthurn, besetzte ebenso rasch das Pfarrhaus und die Post und hob die südslawischen Offiziere und das slawische Gendarmeriekommando aus.

Eine dritte Gruppe unter Führung des Leutnants Millonigg aus Vorderberg griff die Schule an. Nachdem ein jugoslawischer Posten niedergeschossen wurde, war die jugoslawische Besatzung des Schulhauses alarmiert und es kam zu einem Schusswechsel, bei dem Gendarmeriewachtmeister Johann Hubmann getötet wurde und Leutnant Millonigg Verletzungen erlitt, an denen er zwei Jahre später verstarb. Die Jugoslawen wurden festgenommen und über Fürnitz Richtung Villach gebracht und somit war das Gailtal befreit.

Ohne Befehle von oben sondern, auf freiwilliger Basis hat sich die Bevölkerung des Gailtales erfolgreich gegen die Eindringlinge gewehrt und sie auch vertrieben. Leider musste man auch den ersten Toten im Abwehrkampf zur Kenntnis nehmen.

 

Mit der Befreiung von Arnoldstein war für die Gailtaler der Abwehrkampf vorbei und sie erlebten die weiteren Geschehnisse und die Volksabstimmung nur mehr am Rande. Man kann ruhig und mit Stolz sagen, dass der Abwehrkampf hier im Gailtal seinen Anfang genommen hat.

 

Ein deutliches Zeichen, wie die Kärntner Slowenen mit demokratischen Regeln und Verfassungsorganen umgehen, haben slowenische Jugendliche/Studenten bei der Diskussion zur neuen Landesverfassung gesetzt.

Ungeachtet des Verbotes von Meinungsäußerungen seitens der Besucher zum Vorgang einer Landtagssitzung und auch nach mehrmaliger Aufforderung durch den Landtagspräsidenten ignorierten die radikalen Störer jeden Deeskalationsversuch, weshalb die Sitzung für die Dauer der „Darbietung“ unterbrochen werden musste. Deutlicher kann man Missachtung demokratischer Regeln wohl nicht zum Ausdruck bringen.

 

Jede Störung von nicht-slowenischer Seite wäre mit Sicherheit sofort unterbunden worden. Nachsicht ist in diesem Fall eine schlechte Lösung, denn man bestätigt damit nur die gängige Vorgehensweise, dass bei Vergehen von Slowenen die Latte sehr hoch liegt. Wir alle wissen, dass die Mehrzahl der Kärntner Slowenen ein friedliches Zusammenleben will. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass die Störer aus den eigenen Reihen rechtzeitig „gebremst“ werden.

 

In der der „Darbietung“ nachfolgenden Diskussion wurde der Vorgang kontrovers diskutiert. Einige Abgeordnete, wie z.B. Frau Dr. Lesjak (Grüne), Klubobmann Hueter (ÖVP) haben das als Provokation empfunden, wogegen Herr Köfer (Team Köfer) oder der Abgeordnete Dr. Malle (ÖVP) dies als lässlichen, „ Jugendstreich“ bezeichneten.

Soll man wirklich das Ignorieren von Vorgaben zum Umgang mit Verfassungsorganen auf so eine „leichte Schulter“ nehmen?

 

Paul Kanduth

 

Rosenbach

 Aussage im Verfassungsausschuss am 22. 5.2017 im Kärntner Landtag von Obman Oman

 

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, sehr geehrte Damen und Herren !

 

Zunächst  möchte  ich mich als Obmann des Vereines der Kärntner Windischen für die Einladung beim Verfassungsausschuss bedanken. Bedanken will ich mich auch beim Abgeordneten Herbert Gaggl, der sich für uns besonders eingesetzt hat. Wir haben nicht die Möglichkeiten und die finanziellen Mittel, uns über die Medien, oder sonstige Schriften an die Öffentlichkeit zu wenden. Und so will ich heute die Gelegenheit  wahrnehmen, unsere Sorgen und Wünsche an die Politik  zu richten.

 

Sprache kann verbinden, aber auch trennen !

Die Politik, die Kirche und die Slowenen in Kärnten reden immer von einem gemeinsamen Kärnten. Durch ständige neue Forderungen erreichen sie unserer Meinung nach aber das Gegenteil, da dies eher dazu führt, die verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu trennen, als zu vereinen.

 

Ich lebe im gemischtsprachigen Gebiet und durch meine Tätigkeit als Vereinsobmann der  Kärntner Windischen konnte ich in den letzten Jahren  viele liebe  Leute in allen Tälern, wo Windische und Slowenen leben, kennen lernen, viele gemeinsame kulturelle Veranstaltungen  besuchen  und mich mit vielen Freunden austauschen.

 

Die Sorge, dass unsere verschiedenen slawisch-windischen Dialekte, die in unseren Tälern seit Jahrhunderten gesprochen werden, immer weniger werden und zu wenig an die Jugend weitergegeben werden, ist überall zu spüren. Dies hat wohl mehrere Ursachen. Einerseits bezeichnen uns die Nationalslowenen als  Abtrünnige oder Renegaten, andererseits fehlt aber auch dem deutschsprechenden Teil der Bevölkerung das Verständnis für uns. Beide Seiten vergessen gerne, dass es die Windischen waren, die die Abstimmung zu Gunsten Kärnten und Österreichs entschieden haben und nur ihnen verdankt es die Nachwelt, dass Südkärnten die TITO-Ära erspart geblieben ist.

 

Heute wird sogar versucht, die Volksabstimmung von 1920  so darzustellen, dass die Slowenen ausschlaggebend für den positiven Ausgang der Abstimmung waren. Das ist eine falsche Darstellung der Geschichte. 15.279 Personen, das sind 41 %, haben für Jugoslawien gestimmt. Es ist natürlich davon auszugehen, dass hauptsächlich Slowenen für den Anschluss an das sogenannte „Mutterland“ Jugoslawien gestimmt haben. Auch heute noch sind die Interessen der Slowenen in Kärnten kulturell  wie auch in anderen Bereichen  auf Slowenien ausgerichtet.

 

Den Teil der Kärntner Bevölkerung, die nicht im gemischtsprachigen Gebiet leben, scheint die Unterscheidung zwischen den Slowenen und Windischen allzu oft von belangloser Natur zu sein. Bei Überlegung folgender Fakten der jüngsten Geschichte unseres Landes muss aber jedem Kärntner folgendes klar sein. Der Abwehrkampf hätte nie organisiert, die Volksabstimmung in der Zone A  niemals zu Gunsten Österreichs entschieden werden können, wenn nicht ein großer Teil der gemischtsprachigen ( zweisprachigen ) Bevölkerung, also die Windischen, für die Erhaltung  des ungeteilten Landes eingetreten wären.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde auf die Windischen wieder Druck ausgeübt und viele wurden verschleppt.

 

Wir  haben auch nach diesen schlimmen Ereignissen - nach dem Abwehrkampf  und dem zweiten Weltkrieg mit seinen Folgeerscheinungen - wieder zusammengefunden  und gemeinsam gearbeitet, gefeiert und gesungen, wie es schon unsere Vorfahren jahrhundertlang getan haben. Das hat sich aber mit der Zeit geändert.

 

Ich darf ihnen aus meiner Erfahrung aus dieser Zeit aus meiner  unmittelbaren Umgebung in unserem schönen Gailtal folgendes berichten.

 

In den  50iger und  60iger Jahren war es üblich, das die Grundschullehrer auch für die kulturelle Erziehung auf dem Lande  zuständig waren. Wir hatten bei uns ein engagiertes Lehrerehepaar und es wurde eine Theatergruppe  sowie eine Gesangsgruppe ins Leben gerufen. Jung und Alt betätigte sich und es war auch eine schöne Freizeitgestaltung. Alle haben mitgemacht. Es gab keine Unterschiede zwischen Bauern, Handwerkern, Arbeitern oder Beamten, auch keine sonstigen politischen oder sprachlichen Spannungen. Die wenigen Personen, die sich heute zur slowenischen Volksgruppe bekennen, sind damals, wie wir alle, im Kärntner Gewand aufgetreten. Wir haben die alten Lieder, deutsche oder windische, mit Freude gesungen.

 

Ende der 60iger Jahre hat diese Gemeinsamkeit schön langsam aufgehört. Es waren viele Faktoren maßgebend. Die Lehrer haben sich vom Kulturauftrag verabschiedet und sich der politischen Arbeit zugewandt. Im slowenischen Gymnasiums in Klagenfurt wurde die Jugend eher in Richtung nationalslowenisch erzogen. Auch haben die Terroranschläge in Südkärnten, die, wie man heute weiß, vom Jugoslawischen Geheimdienst der UDBA, mit Unterstützung von Kärntner Slowenen verübt wurden, dazu beigetragen, dass die Bevölkerung von dieser Gemeinsamkeit abgerückt ist.

 

Was unterscheidet den Windischen von den Slowenen?

Wir haben sicher eine gemeinsame Vergangenheit  und auch eine gemeinsame ursprüngliche Sprache, das Windisch  oder Slawisch ( lingua slavica – in windischer Red, wie es die Geschichtsschreiber bei der letzten Herzogseinsetzung in Karnburg beim Fürstenstein beschrieben haben ). Die Sprache hat sich in verschiedenen Dialekten in Krain und in Kärnten entwickelt. Aus dem Krainer Dialekt ist die slowenische Schriftsprache entstanden, die den Windischen in Kärnten nicht geläufig war, außer dem katholischen Klerus, der nationalslowenisch ausgerichtet war, sowie einigen Intellektuellen.

 

Ich darf ihnen ein paar Unterschiede  zwischen  Windisch und Slowenisch bringen:

 

Deutsch                                  Windisch                     Slowenisch

Rauchfangkehrer                   raufenkehrer              dimnikar

Schuhmacher                        šustar                          čevljar

Pfarrer, Priester                     fajmoštr                      župnik

Garten ums Haus                  Baumgartl                   sadovnjak

 

Obwohl sich die Windischen selber gelegentlich „Slowenen„ nennen, hatten sie sich nie als Slowenen gefühlt. Die Abneigung gegen den Balkan und gegen das slowenische Krain ist für die Windischen von jeher genauso charakteristisch gewesen, wie die Treue zu Kärnten und Österreich. Die Zahl der Windischen war nie feststellbar, denn sie brauchten nie gezählt zu werden, da sie keine politischen Wünsche hatten, sich nie als Minderheit fühlten, sondern sich in ihrer Mehrzahl mit den deutschsprachigen Kärntnern immer eins fühlten.

 

Und wie ist es den Windischen gedankt worden?

Den Dank des Landes haben in der Vergangenheit nur die Slowenen in Kärnten erhalten.

Ortstafeln, Schulen, bevorzugte Postenbesetzung, kulturelle Unterstützung und in vielen Bereichen großzügige Förderungen. Dies ist hier nur eine Feststellung der Tatsachen, es soll nicht Neid und Zwietracht und das Ausspielen der Menschen gegeneinander schüren.

 

Die Kärntner Windischen bilden keine Parallelgesellschaft, sondern sind vollständig in der Kärntner Gesellschaft integriert. Sie akzeptieren uneingeschränkt  Deutsch als die Kärntner Landessprache und als alleinige Verwaltungssprache.

Die Kärntner Windischen pflegen das Brauchtum, die angestammte Kultur und die windischen Dialekte, wie sie tälerspezifisch gesprochen werden.

Die Kärntner Windischen bekennen sich zu ihren slawischen Wurzeln.

Die Kärntner Windischen haben mehrheitlich dazu beigetragen, dass 1920 Kärnten frei und ungeteilt in die Zukunft gegangen ist.

 

Die Vorbereitungen für das 100 Jahr Jubiläum der Volksabstimmung sind seit 2016 voll im Gange. Wir vom Verein der Kärntner Windischen, sind schon am 20. Feb.  2016 an den Kurator der Landesaustellung und an die politisch Verantwortlichen herangetreten und haben unsere aktive Mitarbeit angeboten. Bis dato sind wir  nur mit guten Worten hingehalten und noch in keine Gespräche oder sonstige Aktivitäten  eingebunden worden.

 

Nun ist aber der Zeitpunkt gekommen, in dem die Windischen unbedingt darauf beharren müssen, dass ihre Existenz nicht übersehen wird. Land und Regierung haben die moralische Pflicht, darauf zu achten, dass bei allen Entscheidungen, die Südkärnten betreffen, auch  die Sichtweise der Windischen berücksichtigt wird. Wir verwahren uns dagegen „Slowenen „  genannt zu werden und über unsere Köpfe hinweg den Slowenen zugezählt zu werden, die nur einen kleinen Teil des Volkes in Südkärnten darstellen, das zwei Sprachen spricht.

 

Der Verein der Kärntner Windischen hat nie einen Antrag um Aufnahme in die Kärntner Landesverfassung  gestellt, wohl aber die derzeitige  Koalition in der Landesregierung  gebeten, für die Zukunft legistisch oder durch Verwaltungsmaßnahmen vorzusehen, das Windisch und die Kärntner Windischen  gleich behandelt werden wie die schon im österr. Volksgruppengesetz besonders geschützten Slowenen in Kärnten.

 

Die Kärntner Windischen verdienen es daher mehr als die Kärntner Slowenen, in der Kärntner Verfassung verankert  bzw. erwähnt zu werden.

 

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

 

 

100 Jahre Kärntner Volksabstimmung

Bemerkungen

 

Dieses Jubiläum kommt immer schneller auf uns zu und ist noch voller Unklarheiten. Einzig allein die Vorgabe „100 - 100“. Volksabstimmung als zentraler Ausgangspunkt. 100 Jahre davor ist historisch beweisbar, wenn auch immer von Siegern diktiert.

Vorschau „100“ das ist in der heutigen Zeit unmöglich oder will man statt dem unsäglichen „1000 jährigen Reich“ heute 100jährige Prognosen erarbeiten!? In der schnelllebigen Zeit von heute ist eine Prognose von 5 Jahren schon ein gewaltiges Wagnis, wo man nicht einmal einfache Wahlen vorhersagen kann! Europa wird sich schon „demnächst“ ändern (müssen), um weiter zu bestehen. Die Welt kommt in Unordnung durch wirtschaftliche, religiöse Kriege in Instabilität und da soll in Kärnten, in der kleinen Welt, die Historie anders laufen, von heutigen „temporären“ Politikern erkannt und durchgeführt werden? O tempora o mores! Nun zu 100 davor.

Es geht hauptsächlich um die Zeit nach dem 1. Weltkrieg und danach, der als Folge der senilen Habsburger Dynastie das Schlamassel des Nationalismus herauf beschworen hat.

Der Ausgangspunkt war Aggression vom SHS Staat. Begründung, um den Friedensverhandlungen zuvor zu kommen: Überall, wo slowenisch gesprochen wird und wo slowenische Namen sind, ist SLOWENIEN! Der Endpunkt war dadurch auch schon gegeben. Diese Aggression dauert bis heute noch an, aber der Abwehrkampf hat mit den letzten Abwehrkämpfern aufgehört. Diese Land Inanspruchnahme war besonders nach dem zweiten Weltkrieg für die Kärntner Bevölkerung schmerzhaft spürbar durch die Partisanengräuel. In den 70er Jahren ging es mit Bombenanschlägen weiter. Daneben verlagerte sich die Aggression auf Schule, Sprache, Kirche, Ämter. Das Ziel war immer erkennbar: „Slowenisch Kärnten“! Da die Politik von den slowenischen Forderungen immer mehr annahm, siehe Schulen, Kindergarten, Musikschule u.a. und die Förderungen immer maßloser wurden, entstand mit Hilfe der Medien ein „Mitleid Effekt“ für die Slowenen, mitgetragen von den unbeteiligten und nicht betroffenen Kärntnern und Österreichern. So entstand der „Mythos“ die Slowenen haben bei der Volksabstimmung mit ihren 12 000 (!!) Stimmen Kärnten gerettet.

Die Volksabstimmung wurde als Genozid (Völkermord) und als „historischer Irrtum“ herabgewürdigt. Eine geheime Abstimmung kann man nachher manipulativ gestalten. Aber was war vorher, der Abwehrkampf und ohne diesen hätte es keine Volksabstimmung gegeben. Dieser Abwehrkampf ist genau chronologisch mit Personen und Aktionen dokumentiert. Wo waren da die Slowenen? Es hat sicher kein Slowene in Kärnten, sie sehen ihre Heimat in Slovenija, (fälschlich: „Kärntner Slowene“) gegen den Aggressor gekämpft. Es waren die WINDISCHEN, die Kärnten erhalten haben. In mehrfachen Dokumentationen ist das belegt. Die Slowenen bezeichnen sie heute noch als Verräter, Deutschtümler, Renegaten. Bei offiziellen Zählungen werden sie aber als Slowenen verwendet. So entsteht und entstand ein falsches Bild der Windischen als Slowenen!

In der Zeit vor der Volksabstimmung, in der die Slowenen das Land besetzt haben, zeigten sie ihr wahres Gesicht. Alles „Deutsche“ wurde bei Strafe verboten. Schulen, Ämter wurden slowenisch, keine deutschen Vereine, alles war slowenisch. Man braucht nur in die ehemalige Untersteiermark zu schauen, wo zehntausende deutschsprachige Einwohner „verschwunden“ sind. Warum setzen sich die „Kärntner Slowenen“ nicht für die Rechte der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien ein? Eine Minderheit soll einer anderen gegenüber doch loyal sein. Man hat aber noch nie etwas davon gehört, dass sich die slowenische Minderheit, Österreich zugehörig fühlend, sich für die deutschsprachigen Landsleute in Slowenien eingesetzt hätten. 

Ich hoffe, dass das 100 Jahr Jubiläum der Kärntner Volksabstimmung ein neues Kärnten Gefühl entstehen lässt und Kärnten wieder neu entdeckt wird. Kärnten mit seiner Vielfalt und nicht mit seiner von den Medien geförderten politischen Einfalt! Kärnten als Land der Begegnung, der gegenseitigen Akzeptanz und Respektierung und das nicht einseitig. Kärnten als liebenswertes Land für alle die hier wohnen und noch wohnen werden. Kärnten als Kleinod in der europäischen Großfamilie.

Kärnten trägt man nicht auf der Zunge und nicht in der Brieftasche, sondern im Herzen!

 

Kühnsdorf im April 2017

 

 

Schulrat Dieter Fleiß

Bezirksobmann des Kärntner Abwehrkämpfer Bundes

Landesobmann des Kärntner Schulvereines Südmark

Vorstandsmitglied des Vereines der Kärntner Windischen

 

 

Landesverfassung neu von Dr. Josef Lausegger
Lau-neu, Verf. 14.2.2017.docx
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Kommentar zu den Schließungen von Posojilnica und Auswirkung auf die kulturelle Tätigkeit der Slowenen von Ursula Polesnig
Posojilnica Ursula.pdf
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Leserbrief von Sophie Pisar über Politiker

Scan0012.pdf
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Dr. Josef Lausegger zum Thema

"2020 100 Jahre Kärntner Volksabstimmung"

Aufsatz in Carinthia
Lausegger Weltkrieg (1).pdf
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Podiumsdiskussion 2020.pdf
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Bericht von der Podiumsdiskussion

Am  17. Nov. 2016  fand im Spiegelsaal der Landesregierung am Rande des Volksgruppenkongresses eine Podiumsdiskussion, wie man die Landesausstellung 2020 gestalten soll, statt. Dies wurde in den Medien kaum erwähnt.

Interessant auch die Besetzung der Diskutanten am Podium, neben Herrn 

LH Kaiser, Univ. –Prof.Dr.Bernhard Felderer  (Ökonom ), und dem Kurator für die Landesausstellung Herrn Mag.  Peter Fritz, waren Frau Dr. Angelika  Mlinar und Prof Lojze Wieser für die Slowenen vertreten.

War zu dieser Diskussionsveranstaltung  kein deutschsprachiger  oder windischer  Kärntner geladen ? Diese  Gruppe hat den Hauptteil der Bevölkerung ausgemacht die  1920 die erfolgreiche Entscheidung für das gemeinsame Kärnten gebracht hat.

 

Oman Oswald

Obmann   Verein der Kt.Windischen

 

 

Volksgruppenkongress in Klagenfurt

 Als Auftaktveranstaltung zum erwähnten Kongress fand eine Podiumsdiskussion statt, wie das Hauptveranstaltungsereignis in 2020, nämlich „100 Jahre Kärntner Volksabstimmung“ aus heutiger Sicht gestaltet werden könnte.

Nun ja, wer sich dabei erhofft hatte bereits heute Details darüber zu erfahren, der ist bestimmt nicht auf seine Rechnung gekommen. Der Kurator, Herr Mag. Fritz, hatte in seinem Beitrag deutlich gemacht, dass man ja erst am Anfang stünde und Anregungen jederzeit willkommen seien.

Mir sind besonders positiv die Worte des Landeshauptmannes Dr. Kaiser in Erinnerung geblieben. Die Volksabstimmung und auch die Zeit kurz davor und danach hatten ja zu einer Polarisierung der Bevölkerung geführt, die zum Teil bis in die Jetztzeit reicht. Und genau da knüpft unser Landeshauptmann an und möchte das in die Zukunft Reichende in den Vordergrund gestellt sehen – ein hehrer Anspruch, den jeder, dem das Wohlergehen der Kärntner Bevölkerung ein Anliegen ist, vollinhaltlich unterstützen müsste. Was bringt es uns, wenn wir uns weiterhin „zerfleischen“ auf der Suche, wer denn wirklich früher hier gesiedelt hat oder wer die „bessere“ Sprache spricht. Auch wenn Herr Prof. Wieser in seiner bekannt humorvollen Art den Wunsch geäußert hatte, in 2020 möchte er 1000 zweisprachige Ortstafeln stehen sehen – das kann nicht das erklärte Ziel für eine Landesausstellung und ein Land sein, das bei Gott ernsthaftere Themen zu stemmen hat.

Zum heute Erreichten hatten beiden Volksgruppen ihr Scherflein beigetragen. Wer den Willen hat sich für das Land positiv einzubringen, dem müssten alle Türen offen stehen.

Ein kluger Kopf hatte mal gesagt: „Keine Gegenwart ohne Vergangenheit und keine Zukunft ohne Gegenwart“. Dem kann man nur vollinhaltlich zustimmen. Nur, was lernen wir daraus? Die beiden Ethnien haben Jahrhunderte lang einträchtig miteinander gelebt; klar, im Zusammenleben gab es nicht nur Sonnenschein. Jedoch die jüngere Radikalisierung, die ihren Ursprung in den 70ern hat, muss endlich aufhören. Den Minderheiten-Forderungskatalog immer weiter in die Höhe zu treiben, wie ansatzweise von Frau Dr. Mlinar vorgetragen, darf in einer Gedenkveranstaltung in 2020 keinen Platz haben. Ich hoffe inständig, dass der Geist, den Dr. Kaiser aus der Flasche gelassen hat, – „Zukunft vor Vergangenheit“ – alle am Entstehen der Festveranstaltung Mitarbeitende erfüllt, und da schließt sich der Kreis, dass wir damit unserer Jugend ein Beispiel geben, dass wir aus der Vergangenheit und Gegenwart die richtigen Schlüsse gezogen haben.

 

 

Paul Kanduth, Rosenbach

Die Bedenken der deutschsprachigen, sowie der windisch sprachigen Bevölkerung in Kärnten, speziell im Grenzgebiet, kommen nicht von ungefähr, weil die Politik in Kärnten sich nach den 1(!)% Slowenen in Kärnten, die immer nach Slowenien gerichtet waren, orientiert.

Zahlenmäßig anerkannte Minderheiten in Österreich laut Stastik, sind mehr Deutsche, Serben, Türken, Ungarn, Romas, Tschechen u.s.w. in einem viel höheren Prozentsatz in Österreich, abgesehen von den Immigrierten und Asylanten mit berechtigten Chancen auf Integration, als die Slowenen. Das ist staatspolitisch ein Default, der von der EU (zaghaft) postuliert wird (Minderheiten Ermittlung!), von den Slowenen in Kärnten laut "Voukschen" Vorstellungen von "Zu Schnellfahren", wobei er in Bad Eisenkappel mit über 30km/h zu schnell gefahren "sollte", wo aber 50km/h erlaubt war, erkennt man, dass nicht mit rechtlichen Dingen zugegangen wurde, sondern "in favorem pro" entschieden worden ist mit dem "Experten" Khol (nomen est omen), einmal abgestritten, dann wiedermal bestätigt (alles nachweislich belegbar!) den Lauf der Dinge angenommen hat.

Die  letzte Forderung eines "Kärntner Slowenen" (getarnt als "Grüner"), den "Slabatnigsee" wieder seinen ursprünglichen Namen zu geben und den gekauften und zweckgebundenen Namen "Turnersee" aufgrund von "NAZI-Vergangenheit" als Unterdrückung der slowenischen Minderheit dar zu stellen, grenzt schon an akuter "Ipsophobie", wo man schon selbst Feind wird von dem eigenen "politisch korrektem" Ich.

Schulrat Dieter Fleiß 9125 Kühnsdorf



Anfragen von der UNI Klagenfurt und unsere Antworten

Vorbemerkung:

Die Antworten auf den Fragenkatalog der Herren  Marius Adolph & Daniel Schnur stellen eine von den Vorstandsmitgliedern des Vereins der Kärntner Windischen gemeinsam erarbeitete Stellungnahme dar. 

 

1.       Welche Rolle spielte die Identität als Windischer in Ihrer Biographie? Ab wann kam diese bei Ihnen auf?

Das Windische stellt in der Lebensgeschichte der Vorstandsmitglieder so wie auch in den Familien der Vorfahren einen wesentlichen Bestandteil dar. Mit identitätsstiftend ist seit ihrer Kindheit die vor allem im Südkärntner Raum seit Jahrhunderten verwendete windische Umgangssprache.

2.   Warum kam es zur Gründung des Vereins? Worin bestehen die Beweggründe einen solchen Verein in der heutigen Zeit zu gründen, wo doch ähnliche Vereine eine längere Geschichte haben?

 

Zur Gründung des Vereins kam es, weil den Vorstandsmitgliedern die historische Bedeutung der windischen Umgangssprache bewusst geworden ist. Sie verdient es, bewahrt und den künftigen Generationen als Kulturgut erhalten zu werden. Weil der Begriff „ wo doch ähnliche Vereine eine längere Geschichte“ haben, die hinter der Frage stehenden Mitinteressierten erkennen lässt, hier der Versuch einer sachlichen Antwort: Mögen die Vereinsgeschichten ähnlicher Vereine älter sein als jene des Vereins der Kärntner Windischen, das autochthone, Jahrhunderte alte Kärntner Windisch kann jedenfalls auf eine weit ältere Geschichte zurückblicken als zum Beispiel das in Kärnten erst im vorigen Jahrhundert institutionalisierte Slowenisch.

 

3.      Worin sehen Sie primär die Hauptaufgaben des Vereins? Organisierung der Mitglieder oder politisch-öffentliche Arbeit? Welche Aufgaben wurden von anderen (Heimat-)Vereinen Ihrer Meinung nach bisher unbeachtet gelassen?

Dem Verein der Kärntner Windischen geht es hauptsächlich darum, das Windische sowohl als Umgangssprache als auch als österreichisches Kulturgut  am Leben zu erhalten. In Zeiten, wo man sich in vielen Kulturkreisen der Vergangenheit besinnt, wollen wir den Blick der Bevölkerung, aber auch der politisch Verantwortlichen für das Windische in der Volkskultur schärfen. Andere (Heimat-)Vereine, deren Mitglieder neben Slowenisch auch Windisch als Haussprache pflegen, beginnen sich dieser Aufgaben auffallend erst seit der Gründung des Vereins der Kärntner Windischen zu besinnen, indem man beispielsweise in Kindergärten Märchen in Windisch erzählt und aufführen lässt.                                                  Öffentlich („politisch“) zeigt sich der Verein der Kärntner Windischen zum Beispiel bei Traditionsveranstaltungen am 10. Oktober, dem Tag der Kärntner Volksabstimmung. Die mit Schautafeln der Jauntaler, Rosentaler und Gailtaler friedlich in Erscheinung getretenen Kärntner Windischen haben sich dabei auch durch das provokante Auftreten des Laibacher Fernsehens nicht aus der Ruhe bringen lassen. Der national eingestellte und nach Slowenien orientierte Rat der Kärntner Slowenen hat die Teilnahme an den  neu organisierten, konsensbemühten 10.-Oktober-Feiern im Landhaushof nicht als Aufgabe erkannt.  

4.    Inwiefern sehen Sie Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten mit anderen (Heimat-)Vereinen und wo würden Sie hier Ihren Verein positionieren?

 

Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten mit anderen (Heimat-)Vereinen gehören noch nicht zum Kärntner Kulturalltag. Hier gibt es Annäherungsprobleme, die auf die Kärntner Geschichte zurück zu führen sind. Aber auch auf die medial geringschätzige, zum Teil sogar herabwürdigende Bewertung der Kärntner Windischen und ihrer Vereinsfunktionäre, denen man, was das Slowenische betrifft,  von namhaften Institutionen (neben Dr. Valentin/Zdravko Inzko im Internet auch die Zeitschrift NOVICE) mangelnde Kenntnis sprachwissenschaftlicher und ethnologischer Zusammenhänge vorwarf. Der Verein der Kärntner Windischen hat sich schon zum  Zeitpunkt der Gründung in der Mitte positioniert, so wie es das Quintett Smrtnik aus Bad Eisenkappel in einem Lied mit „Treff ma uns in da Mittn“ besingt.

 

5.      Wie waren die öffentlichen Reaktionen auf die Gründung des Vereins? Wie wird der Verein aktuell gesehen und wie ordnen Sie diese Sichtweisen ein?

Die öffentlichen Reaktionen auf die Gründung des Vereins der Kärntner Windischen und die aktuellen Sichtweisen richten sich nach der jeweiligen Interessenlage. Es fällt auf, dass das Interesse sowohl auf der Seite der Befürworter als auch bei den Gegnern noch immer zunimmt.

 

6.    Wie wird seitens des Vereins mit Angriffen bzw. Kritik gegenüber seiner Relevanz und seiner Arbeit umgegangen, die es bspw. vom Standard gab?

Der Verein der Kärntner Windischen ist bemüht, Angriffen und Kritikgegenüber seiner Relevanz und seiner Arbeit mit Gelassenheit zu begegnen. Der Sprachwissenschaftskeule, mit der die Gegner und ihre Sympathisanten das Windische nicht nur ignorieren, sondern aus dem Sprachgebrauch, wo es  nur geht, entfernen wollen, begegnen wir mit dem Hinweis auf Fakten aus der Jahrhunderte alten Geschichte des Windischen. Es ist nun einmal eine Tatsache,

.) dass die letzte Kärntner Herzogseinsetzung im  Jahre 1414, also vor 600 Jahren, zu einem großen Teil in der damaligen windischen Umgangssprache erfolgte,

.) dass schon Albrecht Dürer mit seiner im Besitz des Londoner Nationalmuseums befindlichen Zeichnung „Una Vilana Windisch“ im Jahr 1505 den Begriff „Windisch“ verwendete oder,

.)  dass der zum Protestantismus konvertierte Krainer katholische Pfarrer Primož Trubar um 1550 einen „Catechismus in der windischen Sprach“ herausgab. Jener Primož Trubar, auf dessen Vorarbeiten aus den zahlreichen Krainer windischen Dialekten die slowenische Schrift- bzw. Hochsprache hervorgegangen ist.

Zum bspw. Hinweis auf den „Standard“ sei nur angeführt, dass diese Zeitschrift (neben anderen) auch von Mitgliedern des Vereins der Kärntner Windischen gelesen wird.

 

7.     Während bspw. Josef Feldner vom KHD und Marjan Sturm vom Zentralverband Kärntner Slowenen gemeinsam einen Konsensweg beschreiten und Gemeinsamkeiten betonen, ist es für Sie nach wie vor von Bedeutung, Ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu betonen. Wie sehen Sie den von Feldner und Sturm erarbeiteten Konsens und welche Position ergreift Ihr Verein dazu?

Der Konsensweg, den Dr. Josef Feldner und Dr. Marjan Sturm mit den Mitstreitern einschlugen, wird in ihrem Sinn sicherlich Früchte getragen haben. Wie sich dieser Weg der Gemeinsamkeiten in Zukunft entwickeln wird und von wem er mitgetragen werden kann (z.B. Rat der Kärntner Slowenen?), wird sich zeigen. Für uns wird es interessant sein, was die Konsensgruppe auf dem Gebiet des Windischen in Kärnten tun und zulassen wird. Der Verein der Kärntner Windischen  fühlt sich den Kärntner Windischen verpflichtet und will weiterhin eine selbstständige Gruppe bleiben.

8.    In welcher Rolle sehen Sie Ihren Verein in Zukunft? Versuchen Sie neue Mitglieder zu gewinnen?

Der Verein der Kärntner Windischen sieht seine Rolle in erster Linie in der Erforschung des windischen Sprachguts und in der Pflege der vorhandenen windischen Volkskultur; auch mitwirkend, ohne Abschottung gegenüber anderen Gruppen. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen, wenn sie bereit sind, den Vereinszweck mitzutragen.

 

9.    Wo sehen Sie die windische Identität und Sprache in Kärnten in den nächsten Jahren? Wollen Sie und Ihr Verein auf mögliche Entwicklungen Einfluss nehmen, wenn ja, wie - durch welche Aktionen? Welche Entwicklung wünschen Sie sich persönlich?

Wenn die politisch Verantwortlichen und außerhalb davon die meinungsbildenden Kulturinstitutionen in Kärnten den Weg der Interesselosigkeit am Windischen und des Negierens des Begriffes/Wortes „windisch“ aufgeben, will sich der Verein der Kärntner Windischen in jede Aktion einbringen, die dazu beiträgt, dass die windische Umgangssprache nicht untergeht. Wünschenswert wäre es, wenn sich die Entscheidungsträger an der Entwicklung der unter dem italienischen Faschismus verbotenen Mundarten „Tischlbongerisch“, „Ploderisch“ oder „Zahrisch“ orientieren würden, deren Wiederbelebung in Kulturvereinen seit einigen Jahren wieder staatlich unterstützt wird.

Wünschenswert wäre es, wenn die Slawistik Institute der Universtäten in Klagenfurt und Graz (Südsteiermark) die Umgangssprache „Windisch“ neben der sozialpsychologischen Forschungstätigkeit auch sprachwissenschaftlich erfassen und bearbeiten  würden.

 

10.   Was entgegnen Sie Kritikern, die das Windische als bloßes Konstrukt einer konfliktreichen Zeit begreifen? Wie begreifen Sie die sogenannte „Windischen-Theorie“ Martin Wuttes von 1927?

Kritiker, die das Windische als bloßes Konstrukt einer konfliktreichen Zeit begreifen,  gab und gibt es hüben und drüben. Für die eine Seite sind die Windischen, verkürzt ausgedrückt,  die „Slowener“, für die andere Seite die „Nemčuri/Deutschtümler“. In beiden Fällen spürt man einen gewissen Grad an Bösartigkeit oder zumindest das Unreflektierte in der Kritik, der wir  emotionsfrei mit sachlichen Argumenten zu begegnen versuchen.

Die „Windischen-Theorie“ Martin Wuttes von 1927 ist die so genannte Theorie eines Wissenschaftlers, in dessen pädagogischer und publizistischer Entwicklung mehrere Phasen erkennbar sind. Auch die windische Umgangssprache wird vom Begriff „sogenannt/so genannt„ begleitet, weil ihr die Qualifikationsmerkmale einer Sprache fehlen.

 

Abschließende Bemerkung:

Der Verein der Kärntner Windischen hat die Antworten auf den Fragenkatalog der Herren  Marius Adolph & Daniel Schnur insoweit gerne verfasst, als im Vordergrund die Interessen von Studierenden stehen. Es konnte aber nicht unentdeckt bleiben, dass die Initiative von Lehrenden und der ideologischen Klientel ausgegangen ist, die seit der Gründung des Vereins der Kärntner Windischen etwas verunsichert zu sein scheint. – Vielleicht möchte man für den Fall der Fälle eine geeignete Gegenstrategie parat haben.

 

Oswald Oman

Ursula Polesnig

Dieter Fleiß

 

Una Vilana Windisch von Albrecht Dürer

Zitate von Kärntner Slowenen

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Kommentar von Ursula Polesnig

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Bekenntnis der Windischen

Neu - Die Windischen und ihr Bekenntnis
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Referat

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"Zweite Landessprache"

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Schreiben an den Landeshauptmann und an die Landtagsklubs

Schreiben an den Landeshauptmann
Schreiben an den Landeshauptmann-1.doc
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Landtagklubs
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